Berechungsgrundlagen
RAL-GZ 425 = Minimierung von Treibhausgasen bei der Herstellung von Gebäuden
Die Auswahl der Baustoffe und Bauprodukte bei der Errichtung von Gebäuden hat zunehmenden Einfluss auf die effektive Klimaschutzwirkung von Bauwerken. Mit dem RAL-Gütezeichen RAL-GZ 425 wird Bauherrinnen und Bauherrn, aber auch Behörden und Entscheidungsträgern ein Instrument an die Hand gegeben, um die Klimaschutzwirkung von Bauten frühzeitig in der Neubauphase besser beurteilen zu können. Als Bewertungskriterium dient die Kennzahl Gesamt-GWP (Treibhausgaspotenzial, Global Warming Potential) für die Module A1-A3 nach DIN EN 15978. Diese Module beschreiben den Weg eines Baustoffes von der Rohstoffgewinnung über den Transport bis hin zur Herstellung der Vorprodukte (z.B. Holzträger, Mauerwerkssteine, Dämmstoffplatten u.a.m.). Die Module A1-A3 werden daher auch bezeichnet als „von der Wiege bis zum Werkstor“.
Für die Klimaschutzwirkung von Baustoffen in allen weiteren Modulen (Baustelle, Nutzung, Entsorgung, Recycling) gelten spezifische Randparameter. Diese können in vielen Fällen nicht dem Baustoff selbst zugewiesen werden, sondern müssen z.B. die Einbausituation berücksichtigen. Exemplarisch ergibt sich für Klimaschutzwirkung und stoffliche Wiederverwertung ein wesentlicher Unterschied, ob ein Stück Brettschichtholz für einen Unterzug im Gebäudeinnern oder für einen Träger im frei bewitterbaren Außenbereich eingesetzt wird. Wenn zu einem späteren Zeitpunkt ausreichend qualifizierte Daten auch für weitere Module verfügbar sind, ist beim RAL-GZ 425 eine Erweiterung der Bilanzierung geplant.Die nach RAL-GZ 425 ermittelte Klimaschutzwirkung bezieht sich somit auf die in den Güte- und Prüfbestimmungen festgelegten Bilanzierungsgrenzen und ist nicht mit einer vollständigen Ökobilanz des gesamten Gebäudelebenszyklus gleichzusetzen.
Die baustoffspezifischen Kennwerte können aus Umweltproduktdeklarationen entnommen werden. Sofern für konkrete Baustoffe keine verwendbare Produktdeklaration existiert, sind Werte für vergleichbare Produkte aus öffentlich zugänglichen Datenbanken für Baustoffe und Bauprodukte (z.B. Ökobaudat) möglich.
Folgende Bauteile werden in die Berechnung einbezogen:
Unterbau (Keller, Bodenplatte), alle wesentlichen Bauteilschichten von Außenwänden, Innenwänden und Dach, Tragkonstruktion Zwischendecken, Fenster und Außentüren. Anbauten, Innenausbau und Gebäudetechnik sind nicht Bestandteil der Bilanzierung.
Die Bilanzierungsgrenze entspricht somit in etwa dem Zustand eines Ausbauhauses. Für die zu bilanzierenden Bauteile muss das Treibhauspotenzial (Kennwert GWPtotal in CO₂-Äquivalenten/Einheit) in der Summe <= 0 sein.